Leaders of Beauty & Health

Siegfried Meryn

Episode Summary

Professor Siegfried Meryn erklärt, warum Adipositas eine chronische Erkrankung ist und weshalb die Abnehmspritze kein Lifestyle-Tool, sondern ein ernsthaftes Medikament für Betroffene mit deutlichem Übergewicht oder Diabetes ist. Er beschreibt Wirkmechanismus, Nebenwirkungen und nötige Lebensstiländerungen und betont, dass nachhaltiger Erfolg nur mit Ernährungsumstellung, Bewegung und langfristiger Begleitung möglich ist. Ein Blick in die Zukunft zeigt neue Medikamente, Tabletten und Antikörper, die Gewichtsabnahme erleichtern und Muskelmasse besser schützen sollen.

Episode Notes

In dieser Folge spricht Jenny Magin mit Professor Dr. Siegfried Meryn, einem Internisten mit über 40 Jahren Erfahrung im Stoffwechselbereich, über Chancen und Grenzen der Abnehmspritze. Meryn ordnet klar ein, dass Adipositas eine von der WHO anerkannte chronische Erkrankung mit Langzeitfolgen wie Diabetes, Herz‑Kreislauf‑Erkrankungen und bestimmten Krebsarten ist – und dass die Spritze kein ästhetisches „Lifestyle“-Produkt für drei bis fünf Kilo weniger vor dem Sommer ist. Ausführlich erklärt er den Wirkmechanismus: Verstärkte Insulinausschüttung, verlangsamte Magenentleerung, weniger Ghrelin und direkte Effekte im Gehirn auf Hunger‑ und Sättigungszentren, wodurch Heißhungerattacken und Appetit deutlich sinken. Gleichzeitig beschreibt er typische Nebenwirkungen wie Völlegefühl, Aufstoßen, Sodbrennen, Verstopfung oder seltene Komplikationen wie Pankreatitis, die stark von Dosis, Einstiegsschema und Vorerkrankungen abhängen und eine sorgfältige ärztliche Abklärung (Blutwerte, Leber, Niere, Schilddrüse, Bauchspeicheldrüse) erforderlich machen. Meryn betont, dass die Spritze nur ein „Blatt“ eines vierblättrigen Kleeblatts ist – neben individueller Ernährungsumstellung, Bewegung inklusive Krafttraining und gegebenenfalls psychologischer Unterstützung, um emotionale Essmuster und Stress‑Trigger zu verändern. Am Beispiel von Jo‑Jo‑Effekt, „Threshold Point“ des Körpergewichts und hormonellen Veränderungen (Schwangerschaften, Menopause) macht er deutlich, dass Gewichtsreduktion immer ein Langstreckenlauf ist und dass der Körper zwei bis fünf Jahre brauchen kann, um ein neues Gewicht wirklich zu „akzeptieren“. Im Gespräch geht es um falsche Erwartungen, langsames Ausschleichen, besondere Situationen wie Krebs- oder Herz‑Kreislauf‑Erkrankungen sowie die finanzielle und kassenrechtliche Dimension, da nur ein kleiner Teil der Betroffenen die Therapie aktuell über die Krankenkasse erstattet bekommt. Abschließend skizziert er die Zukunft: Orale Semaglutid‑Präparate wie Rybelsus zur Gewichtsstabilisierung, neue Wirkstoffe wie Orforglipron, Kombinationspräparate mit mehreren Hormonen sowie Antikörper, die Muskelmasseverluste bei Diäten minimieren und den Energieverbrauch beim Training erhöhen könnten.